MARTIN ZIEGELMÜLLER

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Text von Martin Ziegelmüller zur Ausstellung im Mayhaus, Erlach

Stadt- und Ruinenbilder und was noch dazu gehört (1965-2017)


"1965 habe ich ein grosses Bild der Stadt Bern gemalt. Das war der Anfang einer Reihe von Stadtansichten, die ich heute noch weiterführe. Mit diesem Bildern hatte ich von Anfang an Erfolg.

Zwei Jahre später entstanden die ersten Stadtbilder, die ich mit Gespenstern, verrückten oder humoristischen Figuren bevölkerte. Gleichzeitig entstanden Ruinenbilder. Basel, Zürich, Burgdorf, Olten, Freiburg und immer wieder Biel legte ich in Schutt und Asche oder liess sie in gigantischen Überschwemmungen untergehen. Dann überwucherte ich sie mit Urwäldern, liess sie zu Wüsten werden oder in Eis erstarren. An Begründungen für solch katastrophale Bildmotive mangelte es nicht. Sie gingen von Atomkriegen, von der Klimaerwärmung und paradoxerweise auch von einer neuen Eiszeit aus. Auch diese Bilder fanden Beachtung. Aber begreiflicherweise blieb der Verkaufserfolg gering. Wer wollte schon Ruinenbilder in der Stube hängen haben!

Heute, im digitalen Zeitalter hat sich das gründlich geändert. Jetzt verkaufen sich Katastrophen mindestens so gut wie Idyllen.

Das ausgehende 20. und das 21. Jahrhundert sind darauf angelegt, immer neue Ängste zu wecken. Und ich steure meinen Teil bei. Denn Angst und Wut lassen mich nicht ruhen.
 
Begreiflicherweise wollte ich immer die neusten Bilder zeigen. Die frühen Katastrophenbilder stellte ich kaum mehr aus. Darum blieb die Startserie mit wenigen Ausnahmen beisammen.

Im Mayhaus möchte ich jetzt auf diese Bilderserie zurückkommen. Und auch noch jene Bilder zeigen, welche die Stadtruinen unterstützt und begleitet haben; manchmal sogar die Auslöser waren. So zum Beispiel der Lithozyklus „Hommage à Harald Szeemann“ (1969) oder „Ärger mit Bernhard Luginbühl, eine emmentalische Kunstgeschichte“ (1974/75). Erstaunlicherweise gehörten zu den Unterstützern auch Aktbilder. Vermutlich war daran die Autoindustrie mitschuldig mit ihren Werbe- und Boxengirls. Sie kamen bei mir auch als prächtige Aktbilder ohne direkt Beteiligte am aberwitzigen Geschehen vor. Einige dieser Aktbilder habe ich in letzter Zeit überarbeitet, weil mir schien, sie hätten nicht den künstlerischen Level, welche die Aktbilder in meinen Grafikserien erreicht hatten.

Das Überarbeiten dieser teilweise 50 Jahre alten Bilder ist für mich zu einem interessanten Experiment geworden. Mir ist von keinem Künstler ein ähnliches Unterfangen bekannt.

Ich hatte die Wahl, Änderungen so vorzunehmen, wie ich seinerzeit gemalt habe oder so, wie ich heute male. Ich liess mich treiben. Wenn ich Lust zum einen oder andern hatte, liess ich die Arbeit laufen, wo sie laufen wollte.

Ergänzt wird die Ausstellung von Aquarellen, von Tusch- und Acrylzeichnungen, die ich in den Jahren 2003-2005 in Sommernächten malte. Und zwar vor Ort, in Bern, Freiburg und Biel. Nach diesen Skizzen sind dann die umfangreichen Serien von grossen Nachtbildern entstanden."

Martin Ziegelmüller, im Mai 2019

 

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